Treffen in Leipzig
Es war ein regnerischer Freitag, an dem wir nach Leipzig fuhren. Oswald betonte schon einige Tage vorher, dass nachts Auto fahren schon schlimm sei, er an sich nicht gerne lange Strecken fährt, aber das Schnee oder Regen überhaupt das Furchtbarste seien, was er sich vorstellen könne. Nun ja es regnete nicht die ganze Fahrt, denn als wir die sächsischen Grenzen passiert hatten, lächelte uns von weitem ein Regenbogen über Leipzig an. Nach langen Diskussionen über Filme, Theater und Literatur, lernten wir uns also endlich näher kennen. Das Theaterprojekt immer im Hinterkopf, die Straße im Blickfeld, und so kamen wir gut gelaunt in Leipzig an. Markus und Johannes waren ebenfalls eingetroffen. Wiedersehen macht Spaß. Dann: Chinarestaurant (der Regisseur zahlt – guter Anfang…), Leseprobe, Weihnachtsmarkt und Schauspielhaus. Medea-Inszenierung mit Plüschhasen und viel zu wenig Publikum. Diese riesige Bühne im Blick, Zeitenwände im Hinterkopf. Das Wichtigste an diesem Tag: Die Leseprobe. Zum ersten Mal den Text hören von den Leuten, die ihn sprechen. Fragen stellen, Bilder im Kopf entwerfen, Fragen stellen, Kommafehler entdecken, Antworten finden, suchen. Zeitenwände war endlich angekommen und doch noch einen Monat bis zu den Proben. Die Neugier steigt. Auf der Heimfahrt – das Projekt wird bewusst, es geht endlich los. Erkenntnis des Tages: Ein Kommafehler kommt selten allein und Oswald fährt gut Auto.
Robert Zahn
