Erste Probenwoche

Die Gesichter des 2. Januar in der Frühe waren voller Erwartungen, Gespanntheit, Neugierde und etwas Müdigkeit vom Feiern der Vortage. Wir sahen uns nicht zum ersten Mal in diesem jungen Jahr, sondern saßen schon am Vorabend bei einem Gläschen Wein zusammen. Doch zum ersten Mal waren alle da und nun ging es endlich an die Arbeit. Nach stundenlangen Gesprächen über Arbeitsweisen, Theaterpraktiken oder Herangehensweisen, war es jetzt Zeit loszulegen. Ich fühlte mich motiviert, und doch wusste ich eigentlich nicht was auf mich zukam. Im Theater ist die erste Probe, das erste Spielen, das erste Einfühlen in die Rollen, so aufregend und voller Fragen. Ich bin gerade bei diesem Text ohne genaue Vorstellungen heran gegangen, denn Oswald wusste schon wo er hin wollte, nur wir mussten die richtige Richtung einschlagen. Der Text und seine Spielbarkeit brachten bei mir Skepsis hervor, aber auch Mut, genau diese Aufgabe anzunehmen. Im Grunde war die erste Probenwoche ein Einatmen von Kreativität, den Text aus vielen Seiten sehen, hinterfragen, beleuchten und einfach spielen. Somit wurde das ganze Stück interessanter, vielschichtiger, als ich vorher geglaubt hatte. Besonders beeindruckt haben mich die Nachtschichten von Markus und Oswald, die sich den ein oder anderen Portwein zur Brust nahmen und das Stück umgebaut haben, neue kleinere Sachen hinzugefügt und stets weiter gearbeitet haben. So habe ich diese Woche erlebt, als ein ständiges Verändern, jeden Tag neu entdecken, wovon man gestern dachte, es wäre geklärt. So ist Theater. Gerade diese Wandelbarkeit hat mich gepackt, auch wenn wir bei einigen Dingen unterschiedlicher Ansicht waren, so haben wir diese Energie genutzt, um weiter zu denken. Die Rollen, diese verschrobenen unwirklichen Charaktere waren für mich ganz besonders interessant, weil ich dort Grenzen spüre, die beim Lesen oder Imaginieren unvorstellbar waren.
Was am Ende übrig blieb?
Text lernen, Text lesen, Text sprechen, Text spielen, Text leben – alles unterschiedliche Dinge. Zeitenwände bleibt seinem Motto treu, dass sich alles verändert, Zeit ist relativ. Am Ende des ersten Tages war ich gleich mal Seitenweise Text los, und ich hatte natürlich schon so viel gelernt, aber dafür neue Rolle, auch gut. Die Diskussionen und Gespräche am Abend hätten ewig so weiter gehen können, das Material ging niemals aus. Ich dachte, ich wäre ein guter Monopolyspieler, aber denkste Puppe… Überraschungseier sind für jeden was und bei Markus zu Hause ist es echt schön. Dank an die gute Bewirtung.
Erkenntnis der Woche:
Mit Karo Monopoly spielen bedeutet viel viel Miete zahlen. Der Text lebt, er entwickelt, er verändert sich und das ist auch gut so.

Robert Zahn