Zwischenbilanz vor dem Endspurt und alles Ändert sich…
Keine Ahnung wieso, aber ich lasse mich immer wieder auf neue Abenteuer ein. Diesmal auf ein Theaterstück mit dem Titel „Zeitenwände“ das ich zusammen mit Markus Förster geschrieben habe und mit talentierten jungen Darstellern aus Bayreuth, Erlangen und Dresden inszeniere. Markus produziert und hat somit den nervigen Part des Organisierens und Vorfinanzieren übernommen. Nebenbei muss er auch auf der Bühne stehen und mitspielen. Wir sind eben eine sparsame Produktion.
Nach drei Probewochen verteilt auf drei Monaten steht das Stück, es wurde noch einiges umgeschrieben, denn vieles was sich auf Papier gut lesen lässt, muss nicht unbedingt im Spiel so funktionieren wie man sich das gewünscht hat. Somit wurde eine Szene gestrichen, Darsteller bekamen neuen Text und meine Regieassistenz Mario musste doch mehr auf der Bühne stehen als ursprünglich geplant. Und ich musste leider mehr Text lernen als vorgesehen, aber Markus weigerte sich dann doch auch noch meine Rolle zu übernehmen. Er hatte keine Lust mit einem Spiegel zu spielen. Am 1. Mai treffen sich Markus, Mario und ich um die letzte Probewoche vorzubereiten. Am 2. Mai treffen dann die Schauspieler ein und vier Tage vor der Premiere stossen die restlichen Mitglieder unseres Teams zu uns. Dann läuft der Countdown einer schlaflosen Nacht.
Ursprünglich war die Premiere für Freitag, dem ersten Tag des diesjährigen WGT´s vorgesehen, jetzt wurde diese auf Samstag verlegt, da das Schauspielhaus Freitags eine eigene Premiere hat. Irgendwie wurde diese Tatsache erst sehr spät bemerkt.
Der ursprüngliche Zeitplan ist hinfällig, Markus muss eine neue Anreiselogistik für unsere 6 Zeitenwände und allerlei andere Bühnenbauten und Requisiten organisieren.
Trotz oder geade weil sich alles ständig verändert bestätigt das Stück eben auch das zentrale Anliegen des Theaterstückes, Zeit und der damit verbundene Wandel aber auch Manipulation und Faszination am Grauen.
Da teile der „unabhängigen“ Presse mit Ehrlichkeit ihre Probleme haben wird es wohl kaum im Vorfeld einen Bericht über „Zeitenwände“ zu lesen geben, aber wer sich informieren möchte kann dies unter www.zeitenwaende.de tun.
Aber wirklich etwas erfahren können nur jene etwas, die am 10.05, 11.05 und 12.05 den Weg ins Schauspielhaus finden und der letzten Etappe einer langen Reise beiwohnen werden.
Dann heisst es Bühne frei und ich werde wohl 25 Minuten der Dinge als verlassener Regisseur hinter den Kulissen verbringen müssen bis ich dann auch endlich auf der Bühne richtig böse sein darf…
Die ärztlich attestierten, wahnsinnige Immigranten freuen sich auf diese drei Aufführungen. Vielleicht werden es ja doch vier, denn noch laufen Überlegungen eine vierte Vorstellung irgendwann zwischen Samstag und Montag zusätzlich anzusetzen.
Ob das gelingt? Lassen wir uns überraschen.
Hauptsache die Wände kommen wohlbehalten in Leipzig an.
Übrigens neben dem Tanklastzug Filmblut der teuerste Einzelposten dieser Produktion.
Zugegeben es ist kein ganzer Tanklastzug mit Blut aber dafür wirkt man neben vier Meter hohen Wände irgendwie ziemlich klein…
Wann wir allerdings von Freitag Nacht bis zur Premiere schlafen werden ist noch unklar, denn ausreichend Vorbereiungszeit direkt im Schauspielhaus ist wirklich Mangelware bei „Zeitenwände.“ Selbsterfüllende Prophezeiung? Nach der Premiere am 10.04 wissen wir mehr.
Aber ganz sicher weiss ich jetzt schon, das wenn am 12.04. der letze Vorhang für dieses Projekt fallen wird zumindest die sechs Darsteller auf der Bühne ein paar schöne Erinnerungen mit nach Hause nehmen werden.
Vielleicht haben dann auch ein paar Gäste etwas miterlebt woran sie sich auch noch in ein paar Monaten gerne erinnern werden.
Fazit: Für das Schauspielhaus nur abgeschliffenes Holz verwenden. (Brandschutz) Hätten wir das vorher gewusst müsste Markus jetzt nicht drei Tage die Holzkonstruktion der Wände abschleifen. Ohne Musiker ist es deutlich leiser auf der Bühne… Und es kommt sowieso immer anders als man plant. Dennoch, wenn man gut vorausplant lassen sich „kleine“ Änderungen z.B. Verschiebung der Premiere und Uraufführung um 24 h leicht kompensieren.
Oswald Henke
