Erste Probenwoche
Nach Wochen der Vorgespräche und Vorbereitungen trafen sich alle Beteiligten, die später auf der Bühne der Zeitenwände Inszenierung stehen würden am Abend des 1.Januar 2008 in Annaburg zur Vorbersprechung der anstehenden 1. Probewoche. Ich war gespannt wie sich der Text innerhalb meines Regiekonzeptes weiterentwickeln würde, denn ich wusste das nicht alles was ich mir ausgedacht hatte, bzw. das was von Markus und mir geschrieben wurde auch auf einer Bühne funktionieren würde. Für mich stand von Anfang an fest, das der Weg zur Premiere eigentlich das wichtigste an Zeitenwände sein wird. Wie würden die jungen Darsteller mit dem teilweise brutalen Inhalten der Texte umgehen, wie würden sie damit zurechtkommen etwas zu spielen, was sehr weit weg von ihrer eigenen Person sein würde. So wurde auch bereits nach dem ersten Probetag die dritte Szene ersatzlos gestrichen, da sie wie ein Fremdkörper wirkte und nicht in das Bild des ersten Aktes passte. Das bedeutete für Markus und mich eine Nachtschicht am Computer. Wir schrieben eine komplett neue Szene und setzten dadurch die Akteure in neue Beziehungen zueinander. Durch diese Ergänzung und Streichung wurden Rollen umbesetzt, damit der dramaturgische Bogen schlüssiger wurde. Mit einer halben Flasche portugiesischem Portwein und einer schlafarmen Nacht im Kopf startete dann auch der zweite Probentag. Es entstanden neue Ideen aus diesen Umbesetzungen, plötzlich entstanden neue Bilder und alles wurde vielschichtiger. Zumindest in meinem Kopf. Dies galt es den Darstellern zu vermitteln was überraschend problemlos gelang, fürchteten doch Markus und ich durch das Umschreiben des ersten Aktes Diskussionen mit den Schauspielern. Durch die neuen Ideen musste Robert einen grossen Teil seines Textes im ersten Akt abgeben. Dafür erlangte die Figur des Moderators, gespielt von Johannes neue Aspekte, machte sie mehrdimensional. Das Sterben auf der Bühne wurde gerechter verteilt – und jetzt wurde es für die Darsteller teilweise noch schwieriger sich in die Figuren hineinzudenken, da sie letztlich immer weiter von ihrem realen Leben und vor allem von ihrem bisherigen erlebten entfernt wurden. Das Spielen wurde für jeden komplizierter und jeder sah sich plötzlich mit Abgründen konfrontiert die er darstellerisch lösen musste. Jetzt galt es die Schauspieler auf diese Abgründe vorzubereiten und sie davon zu überzeugen sich auch darauf einzulassen. Dieser Prozess wird die nächsten Proben bestimmen. Noch konnte sich nicht jeder so tief fallen lassen. Ich hatte immer das Gefühl das manch einer sogar Angst davor hatte sich zu sehr mit seiner Rolle zu intensiv auseinanderzusetzen. Aber ich sehe alle auf einem guten Weg ihre Rollen so darzustellen das man ihnen das abnimmt was sie spielen müssen. Ich bin zuversichtlich und freue mich auf den zweiten Probenblock und dann auf das intensivieren. Und ich bin gespannt was sich bis zur Premiere noch verändern wird. In jedem Fall waren die Tage mit den Darstellern und die Nächte mit Markus als Co-Autor am Laptop sehr spannend und produktiv. Es war ein neues Arbeiten, nachdem ich diesmal nicht für alles mehr oder weniger allein verantwortlich war, Markus und ich teilten uns die Verantwortung für das Projekt, und das war auch etwas neues für mich. Aber die Arbeitsteilung war klar und wurde auch nie in Frage gestellt. Regie ist eben doch auch irgendwie eine Form der Diktatur… Aber eine besondere die Spass macht und konstruktiv ist…
Oswald Henke
